Promiskuität: Wie ist das einzuordnen?

Promiskuität
Ist Promiskuität natürlich oder verwerflich? Foto: © imaginando - Fotolia.com

Promiskuität – das häufige Wechseln von Partnern – wird in der Gesellschaft tendenziell misstrauisch beäugt. Liegt sie in unserer Natur oder ist sie unmoralisch? Der Volksmund verdammt sie eher: “Sie wechselt ihre Liebhaber häufiger als ihre Schuhe.” – “Dieser Mann schnappt sich jede, die nicht bei drei auf dem Baum ist.” – Der abfällige, volkstümliche Spott hat einen ernsten Hintergrund. Unsere Gesellschaft basiert grundsätzlich immer noch auf dem Modell der Ehe, das Treue und Monogamie voraussetzt. Das ist allerdings nicht in allen Gesellschaften der Welt so. Es ist sogar eher ein Minderheitenmodell.

Ist Promiskuität natürlich oder verwerflich?

Promiskuität steht der monogamen Beziehung mit nur einem Partner gegenüber. Die Wissenschaft beschäftigt sich schon länger mit dem Thema, sie unterscheidet heute zwischen der rein sozialen und der sexuellen Monogamie, wobei zu konstatieren ist, dass nur 14 % aller Vögel und nur eine einstellige Prozentzahl aller Säugetiere wirklich sexuell monogam leben. Diese können sich jedoch durchaus in Phasen der Jungtieraufzucht über längere Zeit sozial monogam verhalten. Sie bleiben also bei einem Partner – heimliche Seitensprünge eingeschlossen.

Bei der Untersuchung menschlicher Gesellschaften gibt es je nach Untersuchungsansatz sehr unterschiedliche Aussagen. Sie laufen darauf hinaus, dass wahrscheinlich global und historisch das sozial-monogame Modell – die Einehe – auf 20 bis 50 % aller Gesellschaften zutrifft. Auch hier kennt man eher die offiziellen Ehestatistiken, nicht aber die heimlichen Seitensprünge. Doch auch in Bezug auf die juristisch abgesicherte Ehe ist die Einehe kein dominierendes Modell.

Der Harem oder die Ehe eines Mannes mit mehreren Frauen sind weit verbreitet. In Zeiten des Matriarchats (der Herrschaft der Mütter) gab es das umgekehrte Modell. Leider ist über diese Gesellschaftsform, die man für Zeiten vor 10.000 bis 20.000 Jahren belegen kann, zu wenig überliefert. Kurz und gut: Es gibt keinen biologischen, anthropologischen oder gesellschaftswissenschaftlichen Ansatz dafür, dass Monogamie ein normales, natürliches Verhalten ist. Damit wäre Promiskuität ganz und gar natürlich, auch wenn die christlich geprägte Gesellschaft des Abendlandes das nicht wahrhaben mag.

Wie definiert man Promiskuität?

Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort promiscuus = gemischt ab. Die Wissenschaft bezeichnet damit häufig wechselnde sexuelle Beziehungen, die ein bestimmtes Merkmal aufweisen: Promiskuitive Menschen suchen sich ihren Partner nicht nach sozialen und/oder emotionalen Kriterien, sondern vorrangig nach körperlichen Bedürfnissen aus. Verliebtheit kann, muss aber nicht dabei sein. Es gibt unter diesen Voraussetzungen sogar sexuelle Beziehungen zwischen Menschen, die sich auf den ersten Blick gar nicht so sympathisch fanden.

Die Promiskuität steht damit der Ehe oder festen Paarbeziehung – der Säule der christlichen Gesellschaft – diametral gegenüber. Diese Säule hat sich in über 2.000 Jahren entwickelt, sie galt auch schon in vorchristlicher Zeit. Sie war über Jahrtausende ein Grundpfeiler von Gesellschaften, in denen ein Ehepaar gemeinsam Kinder aufzog und gemeinsamen Besitz erwarb oder vermehrte. Das funktioniert so richtig nur in einer Einehe. Doch in der modernen Gesellschaft, in der Frauen und Männer wirtschaftlich unabhängig agieren können, ist dieses Modell nicht mehr überlebensnotwendig. Promiskuität hat also für die Menschen kaum noch soziale oder ökonomische Konsequenzen.

Gesellschaftsdiskurs zu den Vamps und Casanovas

Die Gesellschaft hat Schwierigkeiten damit, Promiskuität einzuordnen. Begrifflich wird sie unpräzise verwendet. Jeder Mensch, der seinen Partner häufiger wechselt und in keiner festen Beziehung lebt, gilt per se als promisk. Das wird gesellschaftlich noch halbwegs toleriert, gänzlich verpönt sind jedoch heimliche Liebschaften, also außereheliche oder außerpartnerschaftliche Affären. Da zwar die Einehe nicht mehr überlebensnotwendig, aber immer noch juristisch abgesichert und schwer aufzulösen ist, da zweitens betrogene Partner überwiegend sehr negativ reagieren, ist Fremdgehen gesellschaftlich geächtet. Die Diskussion ist emotional überfrachtet, außerdem gibt es kaum belastbare Zahlen zum Verhalten von gebundenen Menschen oder Singles. Daher lässt sich auch kaum quantifizieren, wann ein Mensch als “promisk” gelten muss: Bei zwei, sechs oder 20 Sexualpartnern jährlich? Was wäre denn normal? Dazu gibt es Erhebungen, die aber offenbar die Wahrheit kaum aufdecken, weil promisk lebende Singles an den entsprechenden Umfragen nicht teilnehmen – sie winken nur ab.

Hier einige Zahlenspiele: Wissenschaftler glauben, dass die meisten Mitteleuropäer höchstens fünf bis zehn Sexualpartner in ihrem Leben haben, dass sie ihr Verhalten ab dem 11. Partner ändern (der Körper wird wichtiger als die geistig-emotionale Beziehung) und dass 50 oder mehr Sexualpartner in einem Menschenleben “unnormal” und “selten anzutreffen” seien. Dem stehen Singles gegenüber, die es im Alter von 40+ schon auf deutlich über 100 Sexualpartner gebracht haben, nach wie vor aber nach der großen Liebe suchen und jede neue Sexualbeziehung mit vorsichtigem Herantasten beginnen. Auch gibt es Singles, die auf ihrer Partnersuche im Verlaufe eines einzigen Jahres rund 50 Sexualpartner kennenlernen – um dann jemanden zu finden und wieder über viele Jahre monogam zu leben. Es stellt sich also die Frage, worauf promiskuitives Verhalten überhaupt abzielt: Ist es die Sucht nach sexuellem Vergnügen oder ein normaler Findungsprozess?

Welche Faktoren begünstigen die Promiskuität?

Eine Untersuchung an der Bradley University in Illinois unter der Leitung von David Schmitt untersuchte Faktoren, welche die Promiskuität begünstigen. Die Studie war groß angelegt, es wurden über 13.000 Teilnehmer aus 46 Staaten befragt. Folgende fünf Faktoren konnten die Forscher ausmachen:

  • Extrovertierte Personen verhalten sich auch sexuell freizügiger, aber nicht automatisch. Wenn sie jedoch nach sexuellen Kontakten suchen, finden sie diese schneller.
  • Menschen mit weniger Pflichtgefühl und mangelnder Konfliktbereitschaft arbeiten nicht an ihrer festen Beziehung, sondern suchen schneller einen anderen Partner.
  • Kooperative Persönlichkeiten, die anderen Menschen eher vertrauen und nach Verträglichkeit streben, sind seltener promisk. Sie betrügen nicht gern.
  • Neurotizismus ist ein interessanter Fakt. Neurotische Frauen tendieren eher zum Partnerwechsel, neurotische Männer leben eher monogam. In den USA ist dieser Trend wohl besonders stark ausgeprägt.
  • Offenheit gegenüber Neuem kann im Zusammenspiel mit anderen Faktoren die Promiskuität begünstigen, für sich allein ist sie aber nicht der Auslöser.

Einen zusätzlichen psychologischen Faktor ermittelte schon der US-Sexualforscher Alfred Kinsey. Die Suche nach tiefen Bindungen, gekoppelt mit hoher Selbstunsicherheit, kann die Promiskuität begünstigen. Der Psychoanalytiker Wilhelm Reich vertrat eher die Auffassung, promisken Personen gehe es vorrangig um die sexuelle Befriedigung. Wenn diese funktioniere, fehle der Antrieb zu promiskuitivem Verhalten. Dass gesellschaftliche Trends wie der Drang zur Emanzipation (aus überkommenen Modellen) in den 1970er Jahren die Promiskuität förderten, ist ebenfalls erwiesen. Die HIV-Erkrankungen seit den 1980er Jahren haben diesen Trend teilweise wieder umgekehrt.

Fazit:
Es gibt wenige gesicherte Maßstäbe dafür, an welcher Stelle die Promiskuität beginnt, welche Ursachen sie genau hat und wie sie zu bewerten ist. Die freie Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gestattet jedoch Menschen zumindest in den westlichen Gesellschaften, ihre eigenen Erfahrungen mit der Sexualität zu machen.

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